Der Lauf der Dinge
Mit 16 Jahren habe ich meine ersten Lost Places besucht, nachts, weil ich dachte, es wäre das sicherste so. Damals noch ohne Karten, wo Locations eingetragen sind, oder Apps, die einen sogar verraten, wo genau man hineinkommt. Wollten die Leute damals auf eine Tour gehen, musste man sich vorher schlaumachen, wo eine potenzielle Location sein könnte. Man schaute durch die Tageszeitung, wo eventuell Insolvenzen angekündigt wurden, oder was gebrannt hatte. Ich persönlich habe es gemacht aus Neugier und mit einem gewissen Hang zu Postapokalyptischen Szenarien. Fotos wurden nur in meinen Kopf gespeichert, keine Kamera und kein Handy.
Mittlerweile bin ich 36 Jahre alt und seit April 2026 genau 4 Jahre auf Instagram unterwegs. Fotos, die damals nur in meinen Kopf waren, wurden plötzlich mit dem Handy aufgenommen und auf den sozialen Medien geteilt. Das Hobby hatte sich damit aber nicht verändert, es wurde nur digital und wahrscheinlich für die Ewigkeit online gestellt. In den 4 Jahren ist aber definitiv mehr passiert. Ich habe meine eigene Webseite, wo ich meine Erfahrung im Bereich Urbex, Lost Places und Prepper mit der Öffentlichkeit teile. Ich lasse Menschen auch so ein kleines Stück meiner Touren miterleben. Vor einigen Tagen habe ich auch mein finales Design für meinen Patch fertiggestellt und hoffe, das ich ihn bald für die Masse produzieren lassen kann.
Im letzten Jahr bin ich dann doch mit zwei super freundlichen Partnern kollaboriert. Home of Flashlights, welche mir die Touren deutlich erhellen mit ihrem Equipment und Messerfieber, welche mir Messer für die Overnights und Co zukommen lassen. Ein sehr großes Dankeschön geht an der Stelle an beide Partner raus, das ist definitiv keine Selbstverständlichkeit.
Ein großes Dankeschön geht auch an die Leute raus, die ich in den 4 Jahren kennenlernen durfte. Ich habe dieses Jahr über 5.000 Follower auf Instagram erreicht und das wäre ohne euch nicht möglich gewesen. Aus Bekanntschaften aus dem Internet entstanden schnell geplante Touren. Aus Tourpartnern wurde Freundschaft. Wir hatten nicht nur das gleiche Ziel vor den Augen, sondern auch den gleichen Ehrgeiz. Wir verbrachten Nächte in alten Ruinen, sind vor dem Sicherheitspersonal geflüchtet und haben einander ausgetauscht. Jemand von außen würde unsere Denkweise niemals nachvollziehen können. Ihr seid der Grund dafür, das ich mit meinen Fotos 150.000 Menschen erreiche im Monat. Als ich damals auf Instagram angefangen hatte, hatte ich nie ein Ziel vor Augen und ich wollte auch nie Geld mit meinem Content verdienen. Das soll auch so bleiben, denn sonst wird schnell aus dem Hobby eine Arbeit, die man gerne macht, aber trotzdem gezwungen ist. Mein Content bleibt definitiv kostenlos.
Am Ende denke ich mir einfach, das ich wirklich großes Glück habe, dieses Leben so zu führen, wie es gerade ist. Ich durfte Locations sehen, die sonst niemand in seinen Leben gesehen, oder gekannt hätte. Abenteuer erleben, die man so niemals irgendwo buchen könnte. Ein Leben abseits der alltäglichen Realität neben der Arbeit und was sonst so anfällt. In jedem Land hat man was mitgenommen. Eindrücke und Gedanken, die bleiben einen immer im Kopf. Ich kann Tagelang wegbleiben, weil mein Arbeitgeber in der Hinsicht sehr flexibel ist und schon kurze Absprachen reichen. Ein kleines Stück Freiheit für einen selbst ist damit erreicht.