Prepper gleich rechtsradikal?
Und warum dieses Bild zu kurz greift
In der öffentlichen Wahrnehmung werden Prepper häufig mit rechten oder sogar rechtsradikalen Gruppen in Verbindung gebracht. Medienberichte über Waffenlager, verschwörungsideologische Netzwerke oder extremistische Einzelfälle haben dieses Bild geprägt. Doch die Realität der Prepper-Szene ist deutlich vielfältiger. Die meisten Menschen, die sich auf Krisen vorbereiten, verfolgen weder politische noch extremistische Ziele. Sie wollen vielmehr für Notfälle vorsorgen, ihre Familien schützen und unabhängiger von fragilen Versorgungssystemen werden.
Was bedeutet „Preppen“ überhaupt?
Der Begriff „Prepper“ leitet sich vom englischen Wort to prepare ab – also „vorbereiten“. Prepper beschäftigen sich mit Krisenvorsorge. Dazu gehören beispielsweise:
* Vorräte an Lebensmitteln und Wasser
* Notstromversorgung
* Erste-Hilfe-Kenntnisse
* Selbstversorgung
* Kommunikationsmittel für Krisensituationen
* Schutz vor Naturkatastrophen oder längeren Stromausfällen
Viele Prepper orientieren sich dabei sogar an offiziellen Empfehlungen von Katastrophenschutzbehörden, die Bürgern raten, Vorräte für mehrere Tage anzulegen.
Warum entsteht die Verbindung zu Rechtsradikalismus?
Die Gleichsetzung von Preppern mit rechten Gruppen kommt nicht aus dem Nichts. Dafür gibt es mehrere Gründe.
1. Extremistische Einzelfälle erzeugen starke Aufmerksamkeit
In einigen Ländern wurden einzelne Prepper-Gruppen oder Personen bekannt, die Verbindungen zu rechtsextremen Netzwerken hatten. Besonders Fälle, in denen Waffen gehortet oder Gewaltfantasien geäußert wurden, erhielten große mediale Aufmerksamkeit.
Dadurch entstand in der Öffentlichkeit schnell der Eindruck, dass „Prepper“ grundsätzlich politisch radikal seien. Medien konzentrieren sich naturgemäß auf spektakuläre Fälle – unauffällige Familien, die einfach Wasser und Konserven lagern, erzeugen weniger Schlagzeilen.
2. Misstrauen gegenüber Staat und System
Ein Teil der Prepper-Szene glaubt, dass staatliche Strukturen in Krisen versagen könnten. Dieses Misstrauen kann Überschneidungen mit politischen Randgruppen erzeugen – sowohl rechts als auch links.
Wenn Menschen sich intensiv auf gesellschaftliche Zusammenbrüche vorbereiten, entstehen bei Außenstehenden schnell Vermutungen über politische Motive oder radikale Weltbilder.
3. Militärische Symbolik
Manche Prepper nutzen Tarnkleidung, taktische Ausrüstung oder beschäftigen sich mit Selbstverteidigung. Diese äußeren Merkmale werden oft mit paramilitärischen oder extremistischen Gruppen assoziiert.
Dabei bedeutet Interesse an Outdoor-Ausrüstung oder Krisenschutz nicht automatisch eine politische Haltung.
4. Überschneidungen einzelner Gruppen
Wie in vielen gesellschaftlichen Szenen gibt es auch unter Preppern Menschen mit extremistischen Ansichten. Diese kleinen Gruppen fallen besonders auf und prägen das Bild der gesamten Szene.
Das bedeutet jedoch nicht, dass alle Prepper dieselben Ansichten teilen.
Prepper sind nicht automatisch rechts
Es ist wichtig, zwischen einer gesamten Bewegung und einzelnen radikalen Akteuren zu unterscheiden. Die meisten Prepper sind politisch sehr unterschiedlich oder überhaupt nicht politisch motiviert.
Unter Preppern finden sich:
* Familien, die für Stromausfälle vorsorgen
* Menschen auf dem Land mit Wunsch nach Selbstversorgung
* Outdoor- und Survival-Enthusiasten
* Personen mit Erfahrungen aus Krisengebieten
* Menschen mit Angst vor Naturkatastrophen oder wirtschaftlichen Krisen
Viele sehen Preppen schlicht als verantwortungsvolle Vorsorge – ähnlich wie eine Versicherung.
Warum Menschen preppen:
- Die Gründe fürs Preppen sind vielfältig:
- Sicherheitsgefühl
- Viele Menschen fühlen sich sicherer, wenn sie auf Krisen vorbereitet sind.
- Erfahrungen mit Krisen
- Ereignisse wie Pandemien, Hochwasser, Kriege oder Blackouts zeigen, wie schnell Versorgungssysteme unter Druck geraten können.
- Unabhängigkeit
- Einige möchten weniger abhängig von Supermärkten, Stromnetzen oder Lieferketten sein.
- Verantwortung für Familie
- Für viele steht der Schutz der eigenen Familie im Mittelpunkt.
Das Problem mit Pauschalisierungen
Die pauschale Gleichsetzung von Preppern mit Rechtsradikalen greift zu kurz und ignoriert die Vielfalt der Szene. Natürlich müssen extremistische Tendenzen beobachtet und kritisiert werden. Doch es ist problematisch, alle Menschen mit Krisenvorsorge automatisch unter Generalverdacht zu stellen.
Krisenvorsorge an sich ist weder rechts noch links – sie ist zunächst einmal ein Ausdruck des Wunsches nach Sicherheit, Vorbereitung und Selbstständigkeit.
Fazit
Die Verbindung zwischen Preppern und Rechtsradikalismus entstand vor allem durch medienwirksame Extremfälle, militärische Symbolik und gesellschaftliches Misstrauen gegenüber Krisenvorsorgegruppen. Dennoch repräsentieren diese Fälle nicht die Mehrheit der Prepper.
Die meisten Prepper wollen keine politische Ideologie verbreiten, sondern sich auf mögliche Krisen vorbereiten. Wer Lebensmittel lagert, Erste Hilfe lernt oder einen Notfallplan erstellt, verfolgt in den meisten Fällen kein extremistisches Ziel, sondern handelt aus Vorsorge, Verantwortung und Sicherheitsdenken heraus.