Prepper gleich rechts?
Der Begriff „Prepper“ wird in den Medien häufig mit politischen Extremen, insbesondere mit der rechten Szene, in Verbindung gebracht. Berichte über Waffenlager, sogenannte „Tag-X“-Gruppen oder rechtsextreme Netzwerke haben dazu beigetragen, dass in der öffentlichen Wahrnehmung oft ein bestimmtes Bild entstanden ist. Doch die Realität der Prepper-Bewegung ist deutlich vielfältiger. Die Gleichsetzung von Preppern mit Rechtsextremisten greift zu kurz und wird der Mehrheit der Menschen, die sich auf Krisen vorbereiten, nicht gerecht.
Woher kommt die Verbindung zwischen Preppern und der rechten Szene?
Die Verbindung entstand vor allem durch einige öffentlich bekannt gewordene Fälle in Deutschland und anderen Ländern. Dabei handelte es sich um Gruppen oder Einzelpersonen, die nicht nur Vorräte anlegten, sondern gleichzeitig rechtsextreme Ideologien vertraten oder sich auf politische Umsturzszenarien vorbereiteten.
Da solche Fälle mediale Aufmerksamkeit erzeugen, prägen sie häufig die öffentliche Wahrnehmung stärker als die große Mehrheit unauffälliger Prepper. Medien berichten naturgemäß eher über spektakuläre Extremfälle als über Menschen, die lediglich Lebensmittel lagern, Notstromlösungen besitzen oder Notfallpläne für ihre Familien erstellen.
Hinzu kommt, dass einige Motive des Preppings – etwa Misstrauen gegenüber staatlichen Institutionen oder die Sorge vor gesellschaftlichen Krisen – auch von politischen Extremisten aufgegriffen werden können. Dadurch entsteht der Eindruck, beide Bereiche seien eng miteinander verbunden.
Was bedeutet Prepping eigentlich?
Prepping leitet sich vom englischen Wort „to prepare“ (vorbereiten) ab. Im Kern geht es darum, sich auf mögliche Notlagen vorzubereiten. Dazu gehören beispielsweise:
- Lebenmittel- und Wasservorräte
- Erste-Hilfe-Kenntnisse
- Notstromversorge
- Krisenvorsorge für Naturkatastrophen
- Kommunikations- und Evakuierungspläne
- Fähigkeiten zur Selbstversorgung
Viele dieser Maßnahmen werden sogar von staatlichen Stellen empfohlen. Behörden raten regelmäßig dazu, Vorräte für mehrere Tage anzulegen und sich auf mögliche Krisensituationen vorzubereiten.
Warum die Gleichsetzung problematisch ist
Die Prepper-Szene ist keine einheitliche politische Bewegung. Unter Preppern finden sich Menschen mit unterschiedlichsten politischen Ansichten, religiösen Überzeugungen und gesellschaftlichen Hintergründen. Viele interessieren sich überhaupt nicht für Politik, sondern beschäftigen sich vor allem mit praktischer Vorsorge.
Wer alle Prepper pauschal der rechten Szene zuordnet, begeht denselben Fehler wie bei anderen großen Gruppen: Das Verhalten einer kleinen Minderheit wird auf die Gesamtheit übertragen.
Tatsächlich gibt es zahlreiche Gründe für das Prepping, die nichts mit Politik zu tun haben:
- Erfahrungen mit Naturkatastrophen
- Stromausfälle oder technische Störungen
- Pandemien
- Wirtschaftliche Unsicherheiten
- Verantwortungsbewusstsein gegenüber der eigenen Familie
- Interesse an Outdoor- und Survival-Themen
Spätestens seit der Corona-Pandemie und verschiedenen Naturkatastrophen ist das Thema Krisenvorsorge auch in der breiten Bevölkerung stärker angekommen. Viele Menschen haben erkannt, dass eine gewisse Vorbereitung sinnvoll sein kann, ohne deshalb extremistische Ansichten zu vertreten.
Die Bedeutung einer differenzierten Betrachtung
Es wäre falsch zu behaupten, dass es keinerlei Überschneidungen zwischen Teilen der Prepper-Szene und politischen Extremisten gibt. Solche Überschneidungen existieren und sollten kritisch beobachtet werden. Gleichzeitig wäre es jedoch ebenso falsch, daraus zu schließen, dass Prepping grundsätzlich ein rechtes oder extremistisches Phänomen sei.
Eine differenzierte Betrachtung trennt daher zwischen der Idee der Krisenvorsorge und den politischen Ansichten einzelner Personen oder Gruppen. Wer Lebensmittel lagert, Erste Hilfe lernt oder sich auf Stromausfälle vorbereitet, verfolgt zunächst ein praktisches Ziel: die eigene Handlungsfähigkeit in Krisensituationen zu verbessern.
Fazit
Die häufige Verbindung von Preppern mit der rechten Szene beruht vor allem auf einigen bekannt gewordenen Extremfällen und deren starker medialer Präsenz. Diese Fälle dürfen nicht ignoriert werden, repräsentieren jedoch nicht die gesamte Prepper-Gemeinschaft. Die meisten Prepper verstehen sich als Menschen, die Verantwortung für ihre eigene Vorsorge übernehmen möchten – unabhängig von politischen Ideologien. Eine pauschale Gleichsetzung von Prepping und Rechtsextremismus wird der Vielfalt der Bewegung daher nicht gerecht.
